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Kalligrafie: Bilder von Worten gezeichnet

Kalligrafie: Bilder von Worten gezeichnet

Die Kunstwerke der Elggerin Chris van Weidmann bestehen aus tausenden Buchstaben und zwingen ihre Betrachter, genauer hinzusehen.

Kalligrafie Künstlerin Chris van Weidmann
«Kunst ist für mich wie Meditation», sagt Chris van Weidmann über ihr Handwerk.

«Total schön, das Bild», denke ich, als ich eines von Chris van Weidmanns Kunstwerken zum ersten Mal betrachte. Ich trete näher. Die feinen Linien sind präzise gezogen. Moment…! Sind das wirklich durchgezogene Linien? Ich schaue genauer hin – und stelle verblüfft fest, dass das Bild nicht aus Linien und Schraffierungen, sondern aus hunderten, aneinandergereihten Wörtern besteht.

«Meine Bilder erzählen wortwörtlich eine Geschichte», schildert Chris van Weidmann. «Um loszulegen brauche ich Tusche, Papier, Kreativität – und natürlich eine ruhige Hand.» Die winzigen Buchstaben bringt die 37-Jährige mit  extraschmalen Tuschestiften, viel Geduld und Präzision aufs Papier. Es sei auch schon vorgekommen, dass sie mit einem fast fertigen Bild ganz von vorne beginnen musste, weil sie sich verschrieben hatte oder ein Schlenker ihrer Tuschefeder nicht perfekt sass. «Das ist dann schon ärgerlich», gibt Chris zu, «aber ich habe den Anspruch, jedes meiner Bilder perfekt zu gestalten.»

Persönliche Message in ein Bild verpackt

Zu allen Texten, die Chris für ihre Kunstwerke auswählt, hat sie einen persönlichen Bezug – sei das ein Songtext, der ihr viel bedeutet, eine Geschichte, die sie berührt oder ein Märchen, das sie als Kind immer gelesen hatte. «Eines meiner Lieblingsbilder ist der ‹Gestiefelte Kater›. Es beinhaltet jedes einzelne Wort des Märchens», erklärt Chris. Die Kalligrafie-Künstlerin muss hinter der Message von jedem Text voll und ganz stehen können. Von diesem Grundsatz weicht sie auch bei Auftragsarbeiten nicht ab: «Wenn ich die Wörter nicht fühle, kann ich sie auch nicht in ein Bild verarbeiten».

 

Kalligrafie Künstlerin Chris van Weidmann bemalt eine Wand mit ihren Schriften.
Bereits im Alter von zehn Jahren begann Chris, sich das Handwerk der Kalligrafie selbst beizubringen.

 

Bild von Kalligrafie Künstlerin Chris van Weidmann wird mit Lupe betrachtet
Alle Bilder von Chris van Weidmann bestehen aus kompletten Geschichten, welche die Künstlerin besonders berühren.

Woher kommt ihre Leidenschaft für Schriften, Worte und Buchstaben? Chris überlegt… «Für mich waren Buchstaben schon immer mehr als nur Informationsvermittler – ihre Linien und Formen machen sie zu winzigen Kunstobjekten», erklärt sie mit leuchtenden Augen. Sechs Worte haben die gebürtige Deutsche in ihrem Leben besonders geprägt: «Du musst lernen, die Augen aufzumachen» – der allerletzte Satz aus dem Buch «Galileo Galilei». «Die Worte begleiten mich bis heute. Schliesslich möchte ich mit meinen Werken erreichen, dass die Leute genauer hinsehen und verstehen, dass manche Dinge erst auf den zweiten Blick ersichtlich sind.»

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