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«Pabloart» – neue Plattform für junge Schweizer Künstler

«Pabloart» – neue Plattform für junge Schweizer Künstler

Tony Weiss ist einer von zehn Künstlern, die ihre Werke am «Jungkunst-Fübi» ausstellen. Was aber zeichnete sein Leben – und woher kommt die Melancholie? 

Ich befinde mich mal wieder auf einem meiner Surftrips durch die tiefen Gewässer von Instagram. Ich klicke mich durch Fotos und verteile das eine oder andere «Like-Härzli», als ich plötzlich bei einem Profil hängenbleibe. «Pablo – neue Schweizer Kunstplattform» heisst es da. Natürlich ist meine Neugier sofort geweckt: Wer ist dieser Pablo? Und was hat er mit Kunst zu tun?

Kurze Zeit später weiss ich, dass «Pabloart» von den beiden jungen Bernern Gabriel Diezi und Roman Grimm gegründet wurde.  Die neue Online-Plattform bietet seit März aufstrebenden Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke zu präsentieren und zum Verkauf anzubieten. Von Fotos über Collagen bis hin zu Bleistiftzeichnungen findet man hier alles, was das (Sammler)-Herz begehrt. Die Acrylbilder auf Holz von «Tony Weiss» fallen mir gleich ins Auge ­– Stil und Farbwahl lösen etwas bei mir aus, das ich nicht genau beschreiben kann. Wer ist der Künstler, der diese melancholischen Kunstwerke malt?

 

Künstler Tony Weiss aus Bern zeichnet auf
Tony Weiss hat seine Werke schon an zahlreichen Kunstmärkten ausgestellt. (Foto: propART)

 

Die Leidenschaft für das Malen zeichnete sich beim gebürtigen Deutschen schon früh ab. «Ich bin in der Nähe von Leipzig aufgewachsen, da gab es für junge Leute wie mich nicht viel zu tun. Deshalb habe ich mit ein paar Freunden eine Art Atelier in einem leerstehenden Haus eingerichtet», erzählt mir Tony, als wir in seinem Wohnzimmer sitzen. Damals war er vor allem als Streetartkünstler unterwegs.

 

Acrylgemälde auf Holz von Künstler Tony Weiss aus Bern. Abgebildet ist eine Frau, die auf dem Balkon sitzt.
Spuren der Vergangenheit: Als Streetartkünstler arbeitete Tony viel mit Konturen, was sich auch in seinen heutigen Bildern bemerkbar macht.

 

Alles auf eine Karte zu setzen und hauptberuflich Künstler zu werden, kam für Tony jedoch nicht in Frage. «Ich wollte kein schwermütiger Grübler werden», schmunzelt der 32-Jährige. Deshalb beschloss er, Architektur zu studieren und zog einen (Pinsel-)Strich unter sein Leben als Kunstmaler – zumindest für eine Weile. «Ich habe damals meine ganze Zeit und Energie in die Architektur gesteckt – da gab es kaum mehr Raum für die Malerei.»

 

Neue Perspektiven in der Schweiz

Nach dem Architekturstudium wollte Tony seinen Horizont erweitern, schaute sich Jobangebote rund um den Globus an und landete schliesslich in St. Moritz. «Ich verliebte mich schon beim Vorstellungsgespräch in die Berge», erzählt mir Tony. Daraufhin entflammte eine neue Leidenschaft in ihm: das Bergsteigen. «Wahrscheinlich male ich diese Motive deshalb so gerne.»

 

Acrylgemälde auf Holz von Künstler Tony Weiss. Abgebildet ist ein Mann, der vor einem Bergsee steht.
Inspiration für sein Werk «Bergsee» fand Tony auf einer seiner vielen Bergtouren durch das Engadin.

 

Nach zwei Jahren im ruhigen Engadin sehnte sich Tony nach Abwechslung und zog nach Bern. Er fühlte sich im «Glöif» der Stadt sofort wohl ­– und doch tickte sein leidenschaftliches «Bergherz» laut weiter. Die Sehnsucht inspirierte ihn und Tony griff nach langer Zeit wieder zum Pinsel. Anfangs verliefen die Pinselstriche jedoch nicht so gradlinig wie gewohnt: «Mit der Kunst ist es halt wie mit Fremdsprachen – wenn man nicht übt, versteht man nur Kauderwelsch», lacht er. Mittlerweile ist Tony wieder ganz der Alte und malt drei bis vier Stunden pro Tag – trotz seinem Vollzeitjob in einem Berner Architekturbüro wohl bemerkt.

 

Ausstellung am Jungkunst-Fübi N°1    

Auf «Pabloart» ist Tony per Zufall im Internet gestossen. «Es ist cool, dass sich Gabriel und Roman so für uns Künstler einsetzen wir unsere Bilder online präsentieren können», meint Tony zufrieden. «Pabloart» organisiert für die Künstler zum ersten Mal einen «Offline-Event» ­– nämlich das «Jungkunst-Fübi N°1», das am 27. September im Bierhübeli stattfindet. Zehn Künstler aus der Region zeigen dort ihre Bilder und philosophieren bei einem kühlen «Fübi» mit den Gästen über ihre Kunst. «Die Stimmung an solchen speziellen Ausstellungen ist immer etwas Besonderes», meint Tony,  «ich freue mich total darauf».

Ich mich auch! Ich bin schon gespannt, welche jungen Talente sich sonst noch am  «Jungkunst-Fübi N°1» rumtreiben.

 

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