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Die edelste Art, Restleder zu verwerten

Die edelste Art, Restleder zu verwerten

Sie experimentierte schon mit Störfischleder und Bisonwolle, jetzt präsentiert die Designerin Sabina Brägger ihre Taschenkollektion «Vych». 

Sabina Bräggers aussergewöhnliche Taschen aus vermeintlichen Abfällen begeisterten uns schon vor einer ganzen Weile. Anfang letzten Jahres sprach Sabina mit uns über ihre geniale Idee, die Fischabfälle, welche im Tropenhaus Frutigen anfallen, eigenhändig zu Leder zu verarbeiten. Aus dem gewonnenen Störfischleder kreierte die junge Textildesignerin einzigartige Taschen, Armbänder oder Handyhüllen für ihre allererste Kollektion «Stör».

 

Designerin Sabina Brägger
Sabina Brägger arbeitet als Textildesignerin in ihrem Atelier in Riedbach bei Bern.

Eineinhalb Jahre später treffen wir Sabina an einer Vernissage wieder. «Der Artikel im MIS MAGAZIN schlug voll ein», erzählte sie lachend. «Die Resonanz war unglaublich – ich kam mit der Produktion kaum hinterher.» Der sprudelnde Blondschopf berichtet uns begeistert von ihren neuen Projekten. Seit unserem letzten Treffen hat sie ihre zweite Kollektion «Vych» fertiggestellt. Diese umfasst eine Auswahl an robusten, einzigartigen Handtaschen, designt aus vermeintlich unbrauchbaren Reststücken von Leder und Kuhfell. «Ich verstehe einfach nicht, warum man dieses hochwertige Material nicht verarbeitet – nur weil es nicht der Norm entspricht», entrüstet sie sich. Genau diese «unvollkommenen» Lederstücke wählt Sabina besonders gern für ihre Designs aus. «Durch sie wird jede Tasche zum Einzelstück. Kein ‹Vych› gleicht dem anderen», sagt sie stolz und hält uns dabei ihr Prototyp von der «Vych»-Clutch direkt vor die Nase. Cool!

 

Nachhaltigkeit ist für Sabrina so selbstverständlich wie für andere der Kaffee am Morgen. «Schon vor zehn Jahren entwarf ich als Maturarbeit Kleider aus Fashionmagazinen, die im Altpapier gelandet waren. Natürlich war der Designanspruch damals nicht sooo gross», erinnert sich die Bernerin schmunzelnd. Doch der Grundgedanke, Wertvolles aus vermeintlich Wertlosem zu machen, ist der gleiche wie heute. Nicht nachhaltig oder im Ausland zu produzieren, kam für Sabina nie in Frage – nur so konnte sie ihr Gewissen mit ihrem Job als Designerin vereinbaren. «Ich wusste, dass ich meine Materialien selber produzieren musste, um hundertprozentig hinter meiner Arbeit stehen zu können.»

Neustes Projekt mit Bisonwolle

Neben «Stör» und «Vych» hat sie noch ein weiteres Eisen im Feuer. «Momentan baue ich das Projekt ‹Bisonwolle› aus», erklärt sie. Seit ihrer Masterarbeit vor zwei Jahren beschäftigt sich Sabina mit der Verwertung von Bisonfell. Sie sammelt die Haare der Bisons eigenhändig ein und verarbeitet sie zu Wolle weiter. Bald will sie speziell entwickelte Kratzbäume für die Bisons einsetzen, sodass das Fell «gäbiger» zu sammeln ist. «Zudem möchte ich neben ‹meinen› Bauern aus Avenches und Genf auch mit Bisonbauern aus ganz Europa zusammenarbeiten», berichtet sie enthusiastisch. Nebenbei hält sie ständig Ausschau nach neuen Materialien. «Schliesslich ist das Experimentieren meine absolute Leidenschaft», meint Sabina mit leuchtenden Augen.

Welche tierisch coole Idee hat Sabina Brägger wohl als nächstes? Wir berichten euch hier davon… Versprochen!

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