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Neu in Thun: Genüsslich gegen Foodwaste

Neu in Thun: Genüsslich gegen Foodwaste

Fünf Thuner bekämpfen Foodwaste mit einem klugen Konzept: Dank der Kombi von Laden und Restaurant landet kein Produkt im Müll, sondern bereichert das Menü.

Wenn ich abends auf der Jagd nach einem Znacht durch die prallvollen Regale pirsche, fallen mir häufig rote Preisschilder auf: 50% Rabatt. Sie haften hartnäckig wie Masernpunkte an Esswaren, denen man ein «Mindestens haltbar bis … » eingeimpft hat.

Habt ihr euch auch schon gefragt, wo diese Lebensmittel nach Ladenschluss landen? Bei «Vale!» ist das klar wie Klossbrühe: Wenige Meter weiter drüben – im Restaurant, das zum Laden gehört.

Geschäftsführer von «Vale!», Restaurant und Laden in Thun.
Weil «der Mensch ein Teil der Natur ist – und umgekehrt» legt sich das Team ins Zeug: Luca Schnepper, Damiano Mirra und Davis Kwame sind drei der fünf Köpfe, die das Konzept von «Vale!» ausgeheckt haben.

Das junge Team hat die historische Zehntscheune in Thun vergangenen Herbst mit «grünem Geist» belebt. Alle fünf sind Quereinsteiger, so verdient der Marketingverantwortliche Davis Kwame seine Vollkornbrötchen hauptberuflich als Model und Moderator. Zusammen mit Luca Schnepper, Damiano Mirra, Kurt Schnepper und Timo Theuer verfolgt er ein Ziel: Mensch und Natur wieder stärker miteinander verbinden.

Lebewohl, unbewusster Konsum!
Als Teenager schlug Davis eine Karriere als Profi-Basketballer ein, doch eine Verletzung machte ihm einen fetten Strich durch die Rechnung. Geblieben ist das Bewusstsein für ausgewogene Ernährung, das bei ihm verwurzelt ist wie Knollensellerie in der Erde. «Vale! bedeutet Lebewohl, was zweideutig zu verstehen ist: Lebe wohl – und sage Lebewohl zu ungesundem Essen», erklärt der 25-Jährige.

Tschüss, E-Nummern! Bye-bye, Fertiggerichte! Adieu, ungesunde Fette! Dieser «Abschied» fällt gewiss leicht, wenn ihr mittags oder abends frisch zubereitete Speisen von Küchenchef Zeljko Lukic schlemmt. Selbstverständlich stehen auch vegetarische und vegane Gerichte auf der Karte. Bei kreativen Interpretationen wie «Tofu au Vin» schreit eh kein Hahn mehr nach Fleisch!

 

Nachhaltig einkaufen: Ins Körbchen ohne Kopfzerbrechen
«Hochwertige Produkte, die im Shop nicht verkauft werden, integriert unser Koch in sein nächstes Menü», erzählt Davis. «Bleiben beispielsweise Äpfel übrig,  zaubert Zeljko daraus kurzerhand köstliche Apfelküchlein für die Gäste.» Zwischen den heimeligen Holzbalken hindurch erhasche ich einen Blick in das Lebensmittelgeschäft. Kauft ihr hier ein, braucht ihr das Kleingedruckte auf den Verpackungen nicht zu lesen: Ob Essig, Mehl oder Schokolade – alles ist nachhaltig produziert und stammt weitgehend aus der Region.

Auf der Theke steht beispielsweise «Foodoo», der Bouillon vom Könizer Anti-Foodwaste-Pionier Mirko Burri. In der Kühlvitrine daneben weckt der vegane Ziegenkäse «Free-the-Goat Cheeze» Gelüste, die keine Geiss wegschleckt. Diese Innovation aus Cashewmilch ist bei «New Roots» in Thun herangereift. «Kokosöl ist eines meiner Lieblingsprodukte»,  plaudert Davis weiter, «das verwende ich fast täglich zum Kochen.» Er deutet auf das Regal mit verschiedensten Ölen, die ich (fast wie beim Wein …) alleine wegen den kunstvollen Etiketten kaufen würde.

 

Nachdem ich so viele Leckereien nur angeschaut habe, kriege ich Lust, einen Brownie zu kosten – mit der walnussfesten Absicht, diesen mit Davis zu teilen. «… hausgemacht, aus 80% Schoggi», höre ich Davis‘ Stimme wie aus dem Off – und schwuppdiwupp, verkrümle ich weit mehr als die Hälfte des ofenwarmen Wunderdings … Ich spüre, wie ich rot werde, zum Glück nicht so rot wie die Rabattschilder im Supermarkt.

Als ich die Zehntscheune verlasse, sage ich nicht Lebewohl, sondern: «Bis gli!»

Polenta-Plätzchen mit Federkohl und Wirz, Gericht vom Thuner Restaurant «Vale!»
Zum Abendessen: Polenta-Plätzchen mit Federkohl und Wirz. Die Abendkarte gilt von Donnerstag bis Samstag und wechselt wöchentlich.
Hausgemachter Brownie vom Thuner Restaurant «Vale!»
Jederzeit: Hausgemachter Brownie mit 80% Schokolade. Persönlicher Extratipp: Verzichtet auf den kläglichen Versuch, die lauwarme Leckerei mit eurer Begleitung zu teilen. Zwei Gabeln sind eine zuviel!
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