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Vom Wappen- zum Happenbär

Vom Wappen- zum Happenbär

Die «Mandelbärli»-Bande erhält Zuwachs von den mundgerechten Minis. Angeteigt hat das Thomas Glatz höchstpersönlich.

«Sämtliche Backformen gingen kaputt!», erinnert sich Thomas Glatz an eines seiner ersten und zugleich prägnantesten Erlebnisse mit den «Mandelbärli». Ursprünglich waren die Formen für Schokolade konzipiert – um sie mit Kuchenmasse zu befüllen, schweisste ein Spengler Metallbordüren auf. «Ein Bäcker hatte die Formen im Ofen vergessen, sodass sich das Geschweisste löste und wir in einer Nacht-und-Nebel-Aktion alle Formen reparieren mussten.» Als der mandelsüsse «Meister Petz» zum ersten Mal vom Blech in Berner Bäuche  gelangte, war Thomas Glatz 25 Jahre alt. Konditormeister Peter Kolöffel entwickelte das fluffige Gebäck 1989 zum 125-Jahre-Jubiläum von Glatz. Dessen Vorgeschichte reicht allerdings zurück bis ins Jahr 1914, als der Dresdner Anton Reiche die erste Bärenform hergestellt hat. Ein Segen für die Süsswarenfabriken von Berlin bis Bern, wo die
Confiseure den Wappenbär nun als süssen Botschafter in die Welt entsandten.

Mittlerweile sind Reiches Bleche Sammlerstücke und die Mandelbärli gibt es in sieben klassischen Aromen. Je nach Saison gesellen sich weitere Varianten dazu, wie aktuell das Weihnachtsmandelbärli, das würzig nach Zimt und Nelken schmeckt. Doch das Geschmacksgehege ist damit nicht geschlossen: «Zurzeit tüfteln wir an der Rezeptur eines Mandelbärlis mit Ingwer», lässt sich Thomas Glatz in die Karten blicken. Auch dieses werden Geniesser wohl eher von den Füssen her zum Kopf verschmausen, lächelt einem das Bärchen doch verschmitzt zu. Dieses Schmunzeln im wahrsten Sinn «gebacken zu kriegen», erforderte einen langen Prozess. «Die Heraus­forderung bestand darin, dass die liebevollen Details, die den Mandelbärli-Charakter ausmachen, nach dem Backen erkennbar bleiben. Schliesslich zieht sich der Teig zusammen», erklärt Thomas Glatz, der selbst Bäcker-Konditor­meister ist. Ausgefeilt hat er die Form gemeinsam mit Goldschmied Thomas Schafroth. Gegenwärtig treffen sich Confiseur und Künstler öfters in dessen Atelier, doch der Grund dafür sei noch geheim. «Die besten Einfälle habe ich im Austausch mit anderen Leuten», erzählt Thomas Glatz. «Ist eine Idee gut, brauche ich sie nicht einmal aufzuschreiben – ich vergesse sie nie.» Demzufolge dürfte es auch keine Notiz zu den Mini-Mandelbärli gegeben haben.

 

«Das erste Mini-Mandelbärli versteckten die Mitarbeitenden
vor mir.» Thomas Glatz

Mini-Mandelbärli sind im 2018 los
Während «Mutz», das grösste Mandelbärli der Welt, schon länger auf Zvieri- und Geschenktischen herumtollt, lässt Thomas Glatz die Mini-Mandelbären erst im Mai 2018 aus dem Laufgitter. Für die mundgerechten «Babybären» wurde eigens ein Glas im Bonbonniere-Stil kreiert. Über dieses zieht sich ein Pattern, das an noble Designermarken erinnert. Doch bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus: Es besteht selbst aus lauter klitzekleinen Mandel­bärli. Die soziale Werkstatt «Glasdesign Bern» produziert die Bonbonnieren. Soziales Engagement ist dem Geschäftsführer ebenso wichtig wie Nachhaltigkeit, er gilt dies­bezüglich als Branchenpionier. Hier macht sich sein tiefes Bewusstsein für Ökologie bemerkbar, denn ursprünglich wollte der 53-Jährige Meeres­biologe werden. Er schlug zuerst den zweiten Bildungsweg ein, ehe er 1991 den Familienbetrieb in fünfter Generation übernommen hat. Auch mit weniger exakten «Wissenschaften» wie Physiognomie und Sternzeichen beschäftigt er sich: «Ich beobachte gerne». Was wohl Thomas Glatz für ein Sternzeichen hat? Es muss Mandelbärli sein.

Die Berner Mandel­bärli sind bei Coop, in den Glatz-Filialen oder im Online-Shop erhältlich.


Titel Kinderbuch «Mandi»Bärige Geschichte: Das illustrierte Kinderbuch erzählt vom hungrigen Bär Mandi und seinem Märit-Korb, der auf einmal leer ist … Chinderbuechlade, Gerechtigkeitsgasse 26, Bern.

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